Institut für Finanzwirtschaft, Banken und Versicherungen (FBV) - Abteilung Financial Engineering und Derivate

Aktuell geförderte Forschungsprojekte

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DFG-Projekt: Der Wert von Kryptowährungen – Eine Asset Pricing Perspektive

Aktuell wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unser Projekt "Der Wert von Kryptowährungen – Eine Asset Pricing Perspektive", in welchem wir mit Prof. Dr. Erik Theissen von der Universität Mannheim kooperieren, gefördert.

Kurzbeschreibung:

Kryptowährungen wurden ursprünglich geschaffen, um elektronische Zahlungsmittel zu kreieren, die Online-Zahlungsvorgänge ohne Einschaltung eines Finanzintermediärs ermöglichen. Diesem Zweck dienen sie nach wie vor, jedoch werden sie mittlerweile häufig als Anlageinstrumente betrachtet und als Vermögensanlage oder zu spekulativen Zwecken gehalten. Zwei der größten Derivate-Börsen der Welt handeln Bitcoin-Futures, und einige Autoren betrachten Kryptowährungen als eigenständige neue Asset-Klasse. Trotz ihrer Popularität ist das Wissen über Kryptowährungen begrenzt. Warum ist jemand bereit, einen fünfstelligen Dollar-Betrag für einen Registereintrag zu zahlen, der eine Einheit eines virtuellen Zahlungsmittels repräsentieren soll? Warum hat eine private Währung ohne Besicherung durch andere Wertgegenstände (wie etwa Gold) überhaupt einen positiven Wert? Sind wir Zeuge einer riesigen Spekulationsblase oder weisen moderne Kryptowährungen Eigenschaften (z.B. kryptographische Techniken oder Protokolle, die den Gesamtumlauf einer Kryptowährung nach oben begrenzen) auf, die die Nachfrage rechtfertigen? Sind solche Eigenschaften relevante Determinanten des Wertes von Kryptowährungen? Welche anderen Faktoren erklären ihren Wert und ihre Volatilität? .
Diese Fragen sind aus ökonomischer Perspektive weitgehend unbeantwortet. Wir möchten daher das ökonomische und finanzwirtschaftliche Verständnis von Kryptowährungen vertiefen. Dazu entwickeln wir ein ökonomisches Modell, das erklärt, warum Kryptowährungen einen positiven Wert haben können und den Zusammenhang zwischen der spezifischen Gestaltung von Kryptowährungen und ihrem Wert aufzeigt. Dieser übergeordneten Zielsetzung lassen sich drei Einzelziele zuordnen: (1) Wir möchten einen Überblick über die spezifischen Design-Charakteristika von Kryptowährungen geben und diejenigen identifizieren, die relevant für die Bewertung und das Risiko sind. Hierzu werden wir eine umfangreiche Literaturrecherche und eine explorative empirische Untersuchung der existierenden Kryptowährungen durchführen. (2) Aufbauend darauf möchten wir ein ökonomisches Modell entwickeln, das eine formale Analyse der Wirkung der im ersten Schritt identifizierten Wert- und Risikotreiber erlaubt. In diesem Modell werden zwei Gruppen von Akteuren unterschieden, die Konsumenten, die eine Kryptowährung nutzen und die "Miners", die die ordnungsgemäße Abwicklung von Transaktionen sicherstellen. Aus der Interaktion dieser Gruppen werden Implikationen für den Wert der Kryptowährung abgeleitet. (3) Schließlich möchten wir unser Modell testen, indem wir Hypothesen über die Bewertung von Kryptowährungen daraus ableiten und empirisch mit Daten über Eigenschaften und Bewertungen existierender Kryptowährungen untersuchen.
Wir erwarten, dass unser Projekt nicht nur neue theoretische Erkenntnisse liefert, sondern auch einen wichtigen Beitrag zu der Debatte über die Vorteile und Gefahren von Kryptowährungen leisten wird.

Arbeitspapiere und Veröffentlichungen zu diesem DFG-Projekt:

DFG-Projekt: Die Fristigkeitsstruktur von Illiquiditätsprämien und ihre makroökonomischen Determinanten

Aktuell wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unser Projekt "Die Fristigkeitsstruktur von Illiquiditätsprämien und ihre makroökonomischen Determinanten" gefördert.

Kurzbeschreibung:

Auf Anleihemärkten werden Investoren durch höhere Anleiherenditen für die Übernahme von Illiquiditätsnachteilen kompensiert. Solche Preiseffekte hängen in komplexer Form von der Restlaufzeit einer Anleihe ab und führen zu einer Fristigkeitsstruktur von Illiquiditätsprämien. Das geplante Forschungsprojekt möchte verstehen, inwieweit sich das Verhalten von Illiquiditätsprämien fundamental in Krisen- und Nichtkrisenzeiten unterscheidet, von welchen Faktoren die Fristigkeitsstruktur abhängt und ob diese Faktoren unterschiedliche Teile der Zeitstruktur unterschiedlich beeinflussen. Darauf aufbauend sollen Erkenntnisse darüber abgeleitet werden, über welche Kanäle die makroökonomischen Faktoren die Fristigkeitsstruktur der Illiquiditätsprämien beeinflussen und wie geeignete Steuerungsmechanismen aussehen könnten. Hierzu ist zunächst ein Makro-Finance-Modell für die Fristigkeitsstruktur der Illiquiditätsprämien zu entwickeln, das ausschließlich auf beobachtbaren Makrovariablen basiert. Vor dem Hintergrund der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise bieten sich als Einflussfaktoren Erwartungen über Inflation und Wirtschaftswachstum sowie Zentralbankinterventionen an. Der Ansatz soll sowohl für die Eurozone als auch für die USA empirisch umgesetzt werden. Schließlich soll durch die Entwicklung eines internationalen Modells und die Analyse von Übertragungseffekten Aufschluss darüber gewonnen werden, mit welcher Stärke eine lokale Liquiditätskrise, z.B. auf dem amerikanischen Anleihemarkt, auf europäische Anleihemärkte und schließlich auf europäische Aktienmärkte übergreifen kann.
Ein tiefes Verständnis der Preiseffekte von Liquidität auf Anleihemärkten und ihre Abhängigkeit von beobachtbaren makroökonomischen Variablen ist nicht nur eine akademisch essentielle und ungelöste Problemstellung, sie ist auch von höchster gesellschaftspolitischer Relevanz. Investoren am Rentenmarkt benötigen Informationen über Liquiditätszusammenhänge und Prämien, um ihre Risikomanagement- und Handelsstrategien optimal gestalten zu können. Kosten der Illiquidität und Liquiditätsrisiken übertragen sich auf die Fremdkapitalkosten von Unternehmen und gehen letztlich mit Allokations- und Wohlfahrtseffekten einher. Die jüngste Finanzkrise hat uns die realen Konsequenzen von Liquiditätsrisiken eindrucksvoll vor Augen geführt. In der Folge sind sich gerade institutionelle Investoren heute mehr denn je der Liquiditätsrisiken in ihren Anleiheportfolios bewusst und suchen nach wirkungsvollen Konzepten, um mit diesen Risiken umzugehen. Auch Regulatoren und Politiker benötigen empirische Befunde zu Liquiditätsrisiken und Übertragungseffekten, aus denen politisch relevante Schlussfolgerungen gezogen werden können. Das Forschungsprojekt hat sich zum Ziel gesetzt, hierzu einen Beitrag zu leisten.

Arbeitspapiere und Veröffentlichungen zu diesem DFG-Projekt:

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Prof. Dr. Uhrig-Homburg und Dr. Schuster beim Interview mit lookKIT

Interview lookKIT

Marliese Uhrig-Homburg und Philipp Schuster wurden von der Zeitschrift lookKIT zum DFG-Projekt „Die Fristigkeitsstruktur von Illiquiditätsprämien und ihre makroökonomischen Determinanten“ interviewt (Zum Artikel).